Chaotisches Corona-Management in Deutschland ist Armutszeugnis

Der Staat braucht das Vertrauen der Bevölkerung für die Bewältigung der Pandemie.

Das Krisen-Management der Corona-Pandemie im Fakten-Check:

1. Schutz der vulnerablen Gruppen

Die besonders gefährdeten Gruppen sind seit der ersten Corona-Welle bekannt. Doch selbst bei der mittlerweile vierten Welle ist deren Schutz noch immer sehr lückenhaft (Schutz von Bewohnern der Altenheime, Booster-Impfung in Altenheimen, Booster-Impfung der zuhause wohnende gefährdete Menschen älter als 70 Jahre, anhaltende Diskussionen über die richtigen Schutzmaßnahmen für Pflegeeinrichtungen etc.). Wie kann es sein, dass noch immer so viele Menschen in Altenheimen an Covid-19 sterben?

2. Umgang mit der STIKO

Die dem RKI angehängte Ständige Impfkommission STIKO arbeitet seit vielen Jahrzehnten unabhängig, gewissenhaft und höchst zuverlässig. Sie verfügt über die Erfahrung und alle relevanten Daten zur Beurteilung des Risikos im Zusammenhang mit Impfstoffen. Wer, wenn nicht die spezialisierten Wissenschaftler der STIKO soll denn die Risikobeurteilung von Impfstoffen vornehmen?

Mehrfach hat hingegen die Politik, insbes. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), auf die STIKO öffentlichen Druck ausgeübt und teilweise ohne Not Empfehlungen vorweggenommen (Impfung von Kindern von 12-18 Jahren im Frühjahr und im Oktober Freigabe der Auffrischungsimpfungen für Personen unter 70 Jahre).

3. Wiederholt hat die Regierung kostbare Zeit verloren

Schon im ersten Corona-Sommer in 2020 hat die Regierung trotz Warnungen der Wissenschaftler vor der zweiten Welle im Herbst und Winter kostbare Zeit verloren, Pläne für Alten- und Pflegeheime, Universitäten, Schulen und Kitas zu entwickeln. Die Folge war eine ungeahnte zweite Welle an Corona-Toten im Winter 20/21. Das hätte in jedem Fall verhindert werden müssen. Hat das jeder schon vergessen, der wohlfeil und nicht wahrheitsgemäß äußert, dass Deutschland „ja noch ganz gut durch die Pandemie gekommen ist“. Wie fühlen sich die Angehörigen der vielen Toten, wenn sie solche Sätze hören?

Aber damit nicht genug, denn die gleiche Tragik spielte sich im Sommer 21 das zweite Mal ab. Wieder gehen Politik und Verwaltung relativ unvorbereitet in einen Winter mit einer vierten Welle. 

Wie zynisch ist es dann, wenn sich die Kanzlerin theatralisch bei der deutschen Bevölkerung entschuldigt, weil sie einen dreitägigen Lockdown über Ostern verhängen wollte („Osterruhe“), dieses aber rechtlich nicht zulässig war. Die Entschuldigung für solch eine Petitesse steht doch in absolut keinem Verhältnis zu den Versäumnissen der Regierung und dem angerichteten physischen und psychischen Leid bei den Menschen in Deutschland.

4. Nach wie vor Fokussierung allein auf die 7-Tage-Infektions-Inzidenz

Es ist unstrittig, dass mit zunehmender  Impfquote die Infektions-Inzidenz mehr und mehr ihre Bedeutung als Be-stimmungsfaktor für die Verhängung von Schutzmaßnahmen verliert, da auch geimpfte Personen in der Inzidenz immer häufiger enthalten sind und damit die bloße Infektion nicht mehr so stark mit einem schweren Verlauf korreliert. Da nunmehr vor allem eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindert werden soll, hat man daher als zentrales Kriterium die 7-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz eingeführt, die besagt, wie viele Menschen mit einer Covid19-Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert werden. 

Doch nach wie vor wird die 7-Tage-Infektions-Inzidenz stündlich bis auf eine Stelle hinter dem Komma als Warnsignal mit neuen Rekordwerten in den Vordergrund geschoben und skandalisiert, und die Hospitalisierungs-Inzidenz, die weit unter den Höchstwerten der vergangenen Wellen notiert, wird unterdrückt (Stand lt. RKI 16.11.2021: 4,86 gegenüber 15,5 im Dezember 2020).

Während in den RKI-Tagesberichten die Entwicklung der 7-Tage-Infektions-Inzidenz tag-genau für jedes Bundesland grafisch dargestellt wird, wird die Hospitalisierungs-Inzidenz nur in der Tagesberichts-Tabelle und nur als ein Gesamt-wert für ganz Deutschland genannt. Es ist nicht zu erkennen, wie dieser doch so bedeutende Wert sich mit der Zeit verändert hat, geschweige denn, dass es einen Schwellenwert oder dass es Landes- bzw. Landkreis-bezogene Daten gibt.

Das RKI ist noch nicht einmal in der Lage, die 7-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz präzise anzugeben und arbeitet mit „adjustierten“, d.h. geschätzten Daten. Während der Wachstumstrend der gemeldeten Hospitalisierungen seit Ende Oktober gewendet  ist und die Zahlen sinken, steigt die Kurve der „adjustierten“ Zahlen weiter an.

Wenn die Covid-19-Hospitalisierungen das zentrale Kriterium für die Zuspitzung der Pandemie ist, ist es unerklärlich, warum das RKI bis heute kein Meldesystem für die tagesaktuelle Erfassung der Covid-19-Hospitalisierungen eingerichtet hat.

5. Intensiv-Kapazitäten in Krankenhäusern

Ab dem Sommer 2020 wurden massiv Intensivbetten von den Krankenhäusern abgemeldet, da es für diese eine finanzielle Unterstützung vom Bund ab einer Betten-Auslastung von 75% gab. Das Krankenhaus wird profitabler, wenn Intensiv-Betten reduziert werden, um auf eine Auslastung von über 75% zu kommen.

Quelle: RKI

Es ist sicher nicht auszuschließen, dass das Abmelden von Betten auch durch den Abgang von Pflegepersonal verursacht wurde. Da es keine offiziellen Zahlen darüber gibt, ist allerdings fraglich, wie hoch dieser Effekt ist. Anekdotische Berichte reichen hier nicht aus, um die Situation realistisch zu beschreiben. Wenn Krankenhäuser von Kündigungen des Pflegepersonals berichten,  sollte man jedoch genau hinschauen und prüfen, ob diese Pflegekräfte nicht über einen Zeitarbeits-Vermittler zu besserem Gehalt und passenderen Arbeitszeiten wieder im gleichen Krankenhaus arbeitet. 

6. Maßnahmen zur Ertüchtigung des deutschen Gesundheitswesens

Wenn es das primäre Ziel der Pandemie-Bekämpfung ist, die Überlastung des deutschen Gesundheitswesens zu verhindern, ist zu fragen, was die Politik und das Gesundheitswesen selbst gegen diese doch immer angedrohte Katastrophe in den zurückliegenden anderthalb Jahren getan hat (z.B. forcierte Schulung von Pflegekräften, Reaktivierung von ehemaligen Pflegekräften, Umschulungen etc.). 

Hat man auch nur eine Talkshow zum Thema „Corona-Ertüchtigung des deutschen Gesundheitswesens“ gesehen oder wurden mal Vertreter des Gesundheits-Establishments gefragt, was sie gegen eine mögliche Überlastung des deutschen Gesundheitswesens konkret gemach haben oder aktuell machen? Nein, nicht nur dass es anscheinend keine Ertüchtigung gab. Man hat sogar ohne Kritik, ja ohne das überhaupt zu thematisieren, hingenommen, dass sich das Gesundheitswesen in den vergangenen 16 Monaten sogar massiv verschlechtert hat. Die Corona-Maßnahmen werden anscheinend dem immer schwächer werdenden Gesundheitssystem angepaßt, anstatt das Gesundheits-system der Pandemie anzupassen. 

7. Wie werden die Genesenen gezählt?

Kumuliert sind durch das RKI bis zum 09.11.21 ca. 4,3Mio. Personen durch PCR-Tests als genesen  nachgewiesen. Die Dunkelziffer der vielen Millionen darüber hinaus (tw. ja auch unerkannt) Infizierten und danach Genesenen wird mit bis zu einem Faktor von 1,7 bis 5 angegeben, d.h. bis zu insgesamt  über 21Mio. Menschen sind in Deutschland von Corona genesen. Diese Millionen Menschen werden bei der Betrachtung der immunisierten Bevölkerung regelmäßig außer Acht gelassen und gar nicht erwähnt.

8. Höhe der Impfquote

Erst im Oktober, d.h. ein dreiviertel Jahr nach Beginn der Impfkampagne, erklärte das RKI, dass (im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Ländern) die Impfquote in Deutschland nicht korrekt ermittelt wurde, da mehr oder wenig viele Betriebs- und niedergelassene Ärzte ihre Impfungen nicht an das RKI melde(te)n. Laut RKI ist die offiziell genannte Impfquote um bis 5%-Punkte zu niedrig, d.h. anstatt 67,3% (Stand 11.11.21) wären eher 72,3% bzw. über 60Mio. Personen (von 83 Mio Gesamtbevölkerung) vollständig geimpft. Addiert man nur die Hälfte der Genesenen aus 6. (es gibt ja zwischen Geimpften und Genesenen Überschneidungen) zu den Geimpften hinzu, so erhält man eine immunisierte Bevölkerung in der Größenordnung von annähernd 71Mio. Menschen oder 85% der deutschen Bevölkerung. (Der Anteil der Bevölkerung ab 12 Jahre beträgt ca. 87%).

9. Nachweis des Genesenen-Status

Mithilfe eines Antikörper-Tests läßt sich zuverlässig nachweisen, ob jemand eine Covid19-Infektion überstanden hat. Da die allermeisten Covid-19-Infektionen ohne schwere Symptome und eher wie eine Grippe ablaufen, gibt es eine große Zahl an derart „undokumentiert“ Genesenen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wie z.B. Österreich, ist der Genesenenstatus-Nachweis durch einen Antikörpertest in Deutschland nicht anerkannt. Dabei sind die Immunisie-rungen durch die „natürliche“ Infektion besser als durch die „künstliche“ Impfung. 

Bremen wollte Genesene auf Basis eines Antikörper-Tests im Sommer 20 den Geimpften gleichstellen.  Das wurde durch eine Bundesverordnung verboten. Die Welt titelte am 11.10.21: „Deutschlands neueste Corona-Absurdität – G ist nicht gleich G“. 

10. Masken-Verteilung über Apotheken

Entgegen den Warnungen aus dem eigenen Ministerium entscheidet Spahn die Verteilung von Schutzmasken über Apotheken an die Bevölkerung.  Der finanzielle Aufwand/Schaden in Höhe von bis zu 2,5 Mrd. EUR wird durch den Bundesrechnungshof gerügt.

11. Ausgleichszahlungen für Krankenhäuser

Ebenso rügte der Bundesrechnungshof die an deutsche Kliniken geleisteten Ausgleichszahlungen in Höhe von 10,2 Mrd. EUR allein in 2020 für aufgeschobene planbare KH-Aufnahmen und Operationen (Bundesrechnungshof: „massive Überkompensation aus Steuermitteln“).

12. Bestellung von Atemschutz-Masken 

Atemschutzmasken wurden per „Open-House-Verfahren“ vom Bundesgesundheitsministerium bestellt (dabei wird dem Lieferanten vom Besteller jede Menge zu einem Festpreis abgenommen). Es wurde jedem Lieferanten ein Stückpreis von 4,50 EUR (FFP-2-Maske) bzw. 60ct (OP-Maske) garantiert. Das Ministerium wurde mit Angeboten überschüttet und verweigert mittlerweile die Abnahme, teilweise wegen (vorgeschobener) Qualitätsmängel.  Es ergeben sich über 100 Klagen von Lieferanten auf Abnahme der Ware beim Landgericht Bonn und ein Streitwert von über 1Mrd. EUR. 

Der Vollständigkeit halber soll hier die schändliche Selbstbereicherung von CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten (und anderen CDU/CSU-Politikern) bei der Maskenbeschaffung erwähnt werden.

13. Diffamierung von Ungeimpften und Spaltung der Gesellschaft

Es wird in der Breite ein massiver materieller und moralischer Druck auf Ungeimpfte ausgeübt. Durch 2G-Regeln, die epidemiologisch sehr fragwürdig sind, sowie durch das zwischenzeitlich eingeführte kostenpflichtige Schnelltesten. soll der Druck auf Ungeimpfte erhöht werden und die abgelehnte Impfpflicht „durch die Hintertür“ eingeführt werden. 

Führende Politiker und Experten verkünden Aussagen wie „Pandemie der Ungeimpften“ bis hin zur „Tyrannei der Ungeimpften“. Die klischeehafte Aussage, dass Ungeimpfte „unsolidarisch“ seien, wird an keiner Stelle genau hinterfragt bzw. begründet. Wem können denn Ungeimpfte überhaupt direkt schaden? Die Geimpften sind geschützt und den Ungeimpften ist doch das Risiko, infiziert zu werden, bewußt, und sie akzeptieren die Infektion aus welchen Gründen auch immer.

Ich weiß, dass ich (wie aber auch jeder Geimpfte) im Fall einer asymptomatischen Infektion unbewußt das Virus übertragen könnte. Deswegen bin ich im persönlichen Kontakt mit gefährdeten Personen und Personen, die sich nicht impfen lassen dürfen, selbstverständlich sehr vorsichtig! 

Auch der Vorwurf, dass Ungeimpfte für eine mögliche Überlastung des Gesundheitswesens verantwortlich seien, ist nicht haltbar. Eine höchst aktuelle Untersuchung des RKI ergab, dass es sich bei den im Zeitraum von Ende September bis Ende Oktober 2021 diagnostizierten Covid-19-Infektionen in der Gruppe der Menschen im Alter 18-59 bei 37,5% und im Alter ab 60 sogar bei 60% der Infizierten um Impfdurchbrüche gehandelt hat. Vollständig ad absurdum geführt wird die „Tyrannei der Ungeimpften“ durch das weitere Ergebnis, dass unter den 600 Personen über 60 Jahre, die in dem genannten Zeitraum verstorbenen sind, fast die Hälfte komplett geimpft war.

14. Schließen und Rückbau der Impfzentren und Spahns Aufruf zur Drittimpfung für alle

Es war für die Experten von Anfang an klar, dass früher oder später Auffrischungsimpfungen im gleichen Umfang wie die Erst- und Zweit-Impfungen durchgeführt werden müssen. Doch auf einmal waren alle überrascht, dass man die doch zuvor abgerüsteten Impfzentren wieder reaktivieren muß. 

Anstatt der STIKO zu folgen und prioritär die über 70-jährigen und vulnerablen Gruppen zu boostern, hat Spahn zu allem Überfluß die Booster-Impfung für alle freigegeben, wogegen die Bundesärztekammer sofort Sturm lief, da die niedergelassenen Ärzte vom Ansturm überfordert waren und aktuell noch sind. Sie sind wegen der fehlenden Impfzentren mit der Impfung der Alten ohnehin schon am Limit.  

15. Unterstützung des globalen Südens durch Impfstoffe

Der Globale Süden wird vom hoch entwickelten Norden weitestgehend mit der Corona-Pandemie allein gelassen. Weder wird das Patentrecht in dieser weltweiten Krise, z.B. zeitweise, gelockert, noch werden die versprochenen Impfdosen im Rahmen der Covax-Initiative an bedürftige Länder geliefert. Selbst ein Millionen-Überbestand an Impfdosen in Deutschland im Sommer durfte nicht an Drittländer geliefert werden, weil das die Verträge mit den Herstellern verbieten. In Europa landen Überbestände und bald nicht mehr haltbare Impfstoffe im Müll, und gleichzeitig warten arme Länder dringend auf Impfstoff-Lieferungen. 

16. Diverses

– extreme Isolation von alten, pflegebedürftigen und sterbenden Menschen von ihren Angehörigen und damit Verursachung unendlichen persönlichen Leids

– Verfolgung der Strategie „Angst-Schüren“, „Dramatisierung“ und „Panikmache“ durch das Bundeskabinett genau nach den Anweisungen der vom Bundesministerium des Innern bei einer PR-Agentur in Auftrag gegebenen Studie anstatt sachlicher Information.

– Traumatisierung von Millionen von Kindern und Behinderung einer natürlichen Kindes-Entwicklung

– fahrlässige Verursachung von Schäden in Milliardenhöhe in der Wirtschaft und Gefährdung der Existenz vieler Menschen 

– einseitige Konzentration auf wissenschaftliche Beratung aus der Virologie und Medizin anstatt Einbindung von anderen Disziplinen wie Wirtschaft, Soziologie, Pädagogik, Psychologie etc.

– massive Einschränkung von grundgesetzlich garantierten Rechten, durch Maßnahmen, die von Gerichten teilweise gestoppt wurden

– eine für den Wissenschaftsstandort Deutschland sehr schlechte wissenschaftliche Begleitung der Epidemie durch Erforschung zentraler Themen und Fragen durch fehlende Koordinierung und fehlende Best-Practice-Ansätze  21

– teilweise widersprüchliche (z.B. 2G ohne Tests und ohne Masken und Abstand in geschlossenen Räumen) und teilweise sinnlose Corona-Maßnahmen (Masken im Außenbereich; ein Einkaufswagen für jeden Kunden etc.)

– die im Exportweltmeister-HighTech-Land Deutschland peinlich gescheiterte Corona-App  

Fazit: Das Krisen-Management der Corona-Pandemie durch die Regierung ist an vielen entscheidenden Stellen noch immer zu chaotisch. Das Durchwurschteln durch Corona ist ein Armutszeugnis für die große Koalition.

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