«In der Stunde der Not sind wir ein starkes, ein solidarisches Land.»

Bei der Flutkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 verloren 180 Menschen ihr Leben. Tausende Menschen kauern auf den Trümmern ihrer Vergangenheit und blicken verzweifelt in eine ungewisse Zukunft. 

Auf dem Staatsakt zum Gedenken an die Opfer der Flutkatastrophe am Nürburgring im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) versprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Betroffenen die volle Solidarität Deutschlands:

«Ich bin gekommen, um Ihnen zu sagen: Wir stehen an Ihrer Seite. Wir wissen, dass in Ihrem Leben nichts mehr ist, wie es war. Aber Sie sollen wissen: Auf Ihrem Weg zurück ins Leben lässt Sie Ihr Land nicht allein.»

Er betonte die Wichtigkeit der finanziellen Unterstützung und begrüßte «den umfangreichen Hilfsfonds, den die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat.»

Dank der zahlreichen professionellen und freiwilligen Helfer erinnern rund sieben Wochen nach der Flut die Straßen und entkernten Häuser wieder an Zivilisation. Welche Häuser jemals wieder bezogen werden können und welche doch noch abgerissen werden müssen, ist völlig unklar.  

«Nichts ist mehr, wie es war – das gilt auch für Sie, die alles verloren haben: Ihre Häuser, Ihren Besitz, Ihre Zukunftspläne, Ihre Träume, Ihre Erinnerungen.» Mit viel Verständnis sprach Steinmeier den Betroffenen Mut zu und begrüßte die «überwältigende Hilfsbereitschaft.» 

«Sie haben Leben gerettet, sie haben geholfen, sie haben Kleider, Decken, Essen, Getränke gebracht und verteilt. Sie, die professionellen Helferinnen und Helfer, aber auch die vielen Freiwilligen, die aus dem ganzen Land angereist sind.»

Und während das Staatsoberhaupt am Nürburgring seine Rede hielt, kämpften im Flutgebiet immer noch Menschen gegen die Folgen der Zerstörung und versuchen sich Tag für Tag irgendwie so durchzuschlagen. 

«Wofür noch leben, wenn nichts mehr ist, wie es war? Diese Worte eines Mannes aus den Tagen der Flut treiben mich um. Sie lassen mich nicht mehr los, seitdem mir davon berichtet wurde.»

Diese Betroffenheit, die Steinmeier zum Ausdruck brachte fühle ich ebenfalls. Wie soll es hier an der Ahr jemals wieder bergauf gehen? Wie sollen die Menschen, die Freunde und Angehörige in einer einzigen Nacht verloren haben, jemals wieder aufgefangen werden? Kann es denn nach all der Trauer und Verzweiflung jemals wieder schön werden?

Doch trotz all der Trauer konnten wir lernen, dass Deutschland tatsächlich zusammenhält, wenn es drauf ankommt. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie solch eine Aufbruchsstimmung erlebt wie in meiner Zeit an der Ahr. Aus allen Bundesländern halfen Menschen, die eigentlich nur ein paar Tage Schlamm schippen wollten und sich jetzt jede freie Minute aufopfern, ihren Jahresurlaub zum Helfen nutzen. Das ist gelebte Solidarität. 

Ein Gefühl lässt mich aber nüchtern zurück. Von staatlicher Seite hätte ich irgendwie mehr erwartet. Warum ist es überhaupt nötig, dass die vielen freiwillige Spenden und Hilfsangebote so essenziell sind? Warum verteilen private Bürger in ihrer Freizeit warme Speisen an Bedürftige, die aus privaten Spenden finanziert wurden? Warum wurden so viele Bundeswehrsoldaten wieder abgezogen?

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