Kunst für Demokratie im Schloss Bellevue

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will mit einigen künstlerisch neu gestalteten Räumen die demokratische Rolle seines Berliner Amtssitzes Schloss Bellevue betonen: «Um die Aussagekraft von Schloss Bellevue als Repräsentationsort der Demokratie noch deutlicher herauszustellen, haben wir einige neue Akzentuierungen vorgenommen, die an die Wurzeln und Verzweigungen der deutschen Aufklärungs-, Freiheits- und Demokratiegeschichte erinnern.»

Neben einem Salon im Obergeschoss und im Südflügel wurden auch zwei Salons im Untergeschoss neu gestaltet.

Ein nach dem Verleger, Demokraten und Freiheitskämpfer Robert Blum (1807-1848) benannter Saal mit Gemälden und Zeichnungen erinnert bereits  an demokratische Wurzeln im 19. Jahrhundert. Die Eingangsgalerie, die immer wieder mit moderner Kunst erneuert wird, wirft einen Blick auf die Gegenwart.

Ein weiterer Raum, der bisher als Damensalon bezeichnet wurde, soll nun für die Tradition Berliner Debattiersalons stehen und ist nach Rahel Varnhagen (1771-1833) benannt, an deren Wirken eine Skulptur und zwei Gemälde erinnern. Steinmeier sagte: «Der Beitrag jüdischer Gelehrsamkeit und insbesondere der selbstbewusste, ja emanzipierte Beitrag jüdischer Frauen soll künftig auch im Schloss Bellevue dauerhaft zu Hause sein.»

Mit Büsten und Gemälden wird der frühere Gartensalon jetzt Voltaire (1694-1778) gewidmet. Lauf Steinmeier wird mit ihm und sinnverwandten deutschen Denkern «an einen der einflussreichsten Vordenker der Aufklärung, Gegner des Feudalismus und des Absolutismus, beißender Kritiker aller Arten von Aberglauben – wir würden heute sagen: Verschwörungstheorien -, Kritiker von Unterwürfigkeit, Willkür und Herrschsucht» erinnert.

Auch die Arbeit der Brüder Alexander (1769-1859) und Wilhelm von Humboldt (1767-1835) werden im Schloss Bellevue mit einer Steinsammlung, Porträts und Schriften gehuldigt.

Laut Steinmeier ist Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) der «größte und bedeutendste Architekt, den Preußen hervorgebracht hat und der zugleich die preußische Metropole Berlin maßgeblich gestaltet hat.» Auch ihm ist ein Raum gewidmet. Eine Büste Schinkels und seine Entwürfe für bekannte Bauten wie das als Schauspielhaus gebaute Konzerthaus am Gendarmenmarkt, die Friedrichswerdersche Kirche oder die Neue Wache zieren nun das Musikzimmer. 

Für Steinmeier wurde durch die Umgestaltung «die Zeit der Errichtung von Schloss Bellevue im Jahr 1785 gar nicht so weit verlassen.» 

Mit den Änderungen wurde das Schloss um das Bild eines aufklärerischen, freigeistigen und fortschrittlich denkenden Deutschlands erweitert.

Kunst uns Kultur sind vor allem in den Zeiten der Krise wünschenswert und gefordert. Denke ich an die Betroffenen der Flutkatastrophe, die nach drei Monaten immer noch nicht wissen, wie sie warm durch den Winter kommen sollen, erinnert es mich doch mehr an den Absolutismus als an die Aufklärung.

Bild: Robert Blum, Gemälde von August Hunger, zwischen 1845 und 1848

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